Drawn to Life: Mal-Held sein

Drawn to Life: Mal-Held sein (NDS)

(THQ)

geschrieben von Oliver Domke

 

 
Entwickler: 5th Cell
Publisher: THQ
Genre: Jump 'n' Run
Releasedate: Bereits erhältlich
Homepage: Drawn to Life: Mal-Held sein
Preis: 39,99 €
Altersfreigabe: Freigegeben ohne Altersbeschränkung gemäß §14 JuSchG

Eigentlich ist das ja ganz schön dreist von THQ: Der Publisher bringt mit "Drawn to Life: Mal-Held sein" ein völlig unfertiges Spiel auf den Markt. Es existiert kein Protagonist, es gibt keine Waffen; sogar an Flora und Fauna mangelt es. Wenn Sie die Abwesenheit dieser Inhalte stört, müssen Sie sie halt selbst zeichnen. Spaß beiseite: Das alles hat wenig mit der Vergesslichkeit der Entwickler zu tun - es war von Anfang an ihr Plan. Entstanden ist eine ungewöhnliche Mixtur für kreative Köpfe und Fans von Jump 'n' Runs.

Die Geschichte

Das Buch des Lebens ist der wichtigste Besitz des Dorfes der Raposas. Gehütet vom Häuptling wird es in der Halle der Schöpfung aufbewahrt, schließlich beinhaltet es nicht nur die Vorlagen für die Eigentümer der Einwohner, sondern auch für die Sonne und den Mond. Als der Rebell Wilfre eines Tages alle Seiten aus dem Buch reißt, stürzt er damit seine Heimat in ein Unglück. Alles, was einst auf den Papieren niedergeschrieben wurde, verschwindet aus dem Dorf. Übrig bleibt ein karger, von Kälte und Dunkelheit umgebener Ort. Immer mehr Bewohner fliehen vor dem endgültigen Verfall, bis nur noch der Häuptling, seine Tochter Mari und ihr Freund Jowee zurückbleiben, um einen letzten verzweifelten Hilferuf an den Schöpfer zu senden.

Das Rollenspiel

An diesem Punkt beginnen Sie Ihre bisher größte Videospielkarriere, denn der sehnlich erwartete Schöpfer sind Sie! Und wie es sich für einen ordentlichen Schöpfer gehört, benötigen Sie zunächst einen Helden, der Sie im Dorf verkörpert und den Raposas Ihre Existenz beweist. Den Helden müssen Sie nun bis ins kleinste Detail selbst zeichnen. Lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf: Strahlender Held, muskulöser Hüne mit Clownsnase, Gorilla mit Schnurrbart, angsteinflößender Kampfroboter oder einfach nur ein Strichmännchen - alles ist erlaubt, solange es über einen Kopf, zwei Arme und zwei Beine verfügt. Wenn Sie sich über das Aussehen Ihres Alter Ego keine Gedanken machen wollen, dürfen Sie sich auch einen Musterhelden aus den zuschaltbaren Schablonen basteln.

Kaum ist Ihr Held im Dorf angekommen, beginnt der Stress. Die Einwohner überhäufen Sie mit zahlreichen Wünschen, die es zu erfüllen gilt. Gegenstände wollen beschafft und die Gegend will erkundet werden. Früher oder später werden Sie immer einen Punkt erreichen, an dem Sie mit den in der Ortschaft zur Verfügung stehenden Mitteln nicht mehr weiterkommen. Dann schicken die Raposas Ihren Helden durch eines der Weltentore. Dadurch ändert sich nicht nur die Perspektive von der Drauf- in die Seitenansicht: Aus dem Rollenspiel wird ein waschechtes Jump 'n' Run.

Die Welten

Die thematisch sehr unterschiedlichen Hüpfpassagen haben es in sich. In den oftmals stark verzweigten Levels verstecken sich nicht nur neue Bewohner für das Dorf, sondern auch die dringend benötigten Seiten aus dem Buch des Lebens. Erst wenn Sie alles gefunden haben, dürfen Sie die Welt wieder verlassen. Aber keine Angst: Sollten Sie einmal etwas übersehen, hält Sie ohnehin eine unüberwindbare Schattenwand vom nächsten Levelabschnitt fern.

Allerdings wird hier nicht nur Ihr Geschick, sondern auch wieder Ihr künstlerisches Talent gefordert. Kann Ihr Held einen höher gelegenen Pfad nicht erreichen? Zeichnen Sie ihm eine Wolke als Plattform! Ihr Held muss ein Eismeer überwinden? Zeichnen Sie ihm einige Eisblöcke, über die er springen kann! Ihr Held soll auf Tauchstation gehen? Dann zeichnen Sie ihm Schwimmflossen und einen Helm! Oder gleich ein ganzes U-Boot. Was auch immer Sie erschaffen, es wird an den entsprechenden Stellen direkt in das laufende Spiel eingebaut. Die grobe Form ist dabei immer vorgegeben, das endgültige Aussehen liegt aber ganz in Ihrer Hand.

Die meisten der in den Levels umherlaufenden Gegner lassen sich durch einen beherzten Sprung auf den Kopf besiegen. Viel spaßiger ist aber der Einsatz einer Waffe. Sie vermuten es wahrscheinlich bereits: Auch die entspringt Ihrer Fantasie. Die Munition ist zwar begrenzt, aber immerhin entledigen Sie sich damit Ihrer Widersacher aus der Entfernung. Von einem Makel bleibt das Spiel leider nicht verschont: Bereits beseitigte Gegner tauchen kurze Zeit später wieder auf und sorgen so unentwegt für Gegenwehr.

Spätestens bei den Begegnungen mit den Endbossen werden Sie froh sein, dass Sie Ihrem Helden einen Schneeball- oder Explosionseichelwerfer in die Hand gepinselt haben: Die Giganten sind nicht nur brandgefährlich, sondern erfordern auch eine besondere Taktik, um sie in die Knie zu zwingen. Der Schwierigkeitsgrad der Jump 'n' Run-Abschnitte steigt stetig an, wird aber im Hinblick auf die jüngere Zielgruppe des Spiels nie unfair.

Die Rückkehr

Mit einer Seite aus dem Buch des Lebens in der Hand kehrt der Held immer wieder ins Dorf zurück. Die wiederum verschafft Ihnen eine Vorlage für etwas, was das Dorf benötigt. Das Repertoire des Wälzers umfasst diverse Himmelskörper, Pflanzen und sogar eine Sternwarte. Jedes neue Objekt verändert die Heimat der Raposas grundlegend und bringt neuen Lebensmut. Witzig: Sobald Sie Ihren Schützlingen eine Uhr gezeichnet haben, passt sich die Tageszeit in "Drawn to Life" der echten Zeit an: Zocken Sie nachts, ist es auch im Dorf dunkel. Spielerische Auswirkungen hat das aber nicht.

Jedes Mal, wenn Sie der Ortschaft etwas stiften, danken es Ihnen die Einwohner mit neuen Wünschen. Spätestens bei Ihrer dritten Rückkehr werden Sie aber entnervt hoffen, dass der kommende Rollenspielabschnitt so schnell wie möglich ein Ende findet. Die Aufträge sind immerzu die gleichen und bestehen aus simpler Rennerei von einem Raposa zum nächsten. Damit Sie auch ja nicht nachdenken müssen, wird Ihnen das nächste Ziel stets detailliert beschrieben. Das, was hinter den Weltentoren auf den Helden wartet, ist wesentlich unterhaltsamer.

Die Technik

Ein Spiel, in dem viel gezeichnet werden muss, ist natürlich prädestiniert für den Nintendo DS. Dank des Touchscreens kreieren Sie Ihre Meisterwerke mit Leichtigkeit. Hilfreich sind die zahlreichen zur Verfügung gestellten Tools, die Sie Pinselstärken, Farbpaletten, Stempel und Muster wählen oder das Bild bis zur vierfachen Vergrößerung zoomen lassen, um pixelgenau zeichnen zu können. Häufig sind die Aufträge, die Ihnen "Drawn to Life: Mal-Held sein" gibt, absichtlich unpräzise gestaltet. Spätestens, wenn Sie Ihre erste "Banyapflanze" zeichnen müssen, werden Sie sich Gedanken darüber machen, wie so etwas überhaupt aussieht. Auch wenn es für das Spiel letztendlich irrelevant ist, wie Ihre Schöpfungen gestaltet sind, werden Sie doch immer wieder versuchen, etwas besonders Hübsches oder Ausgefallenes auf den Bildschirm zu zaubern.

Abseits Ihrer Einsätze als Künstler wird der Touchscreen kaum genutzt. Ihren Helden lenken Sie mit dem Steuerkreuz, mit der [A]-Taste springt er, ein Druck auf [B] lässt ihn die Waffe benutzen, mit [Y] führen Sie einen Standardangriff durch. Zwar müssen Sie in den Welten einige Häuser und Bäume durch Reiben von der sogenannten Schattenschmiere befreien; im Vergleich zum Zeichenkurs wirkt das aber eher etwas aufgesetzt. Der kunterbunte Grafikstil, die knuffigen Charaktere und der verspielte Soundtrack passen sehr gut zusammen und verdeutlichen, dass es sich um ein Spiel für junge Zocker handelt.

 

  

Das Fazit: (Ausge-)Zeichnet!

Mit "Drawn to Life: Mal-Held sein" wird der Traum jedes jungen Spielers Wirklichkeit: Nicht nur seinen Helden, sondern auch jede Menge Elemente der virtuellen Welt darf er selbst zeichnen und den eigenen Vorstellungen entsprechend gestalten. Die Art und Weise, wie das Spiel die eigenen Kreationen einbindet, ist einzigartig und hat es in dieser Form noch nicht gegeben. Leider sind die Rollenspielabschnitte der auf rund zehn Stunden ausgelegten Geschichte im Vergleich zum Rest eher langweilig. Nichtsdestotrotz ein großes Lob an die Entwickler für die tolle Umsetzung einer mutigen Idee.

(11.10.2007)


Fazit

   Das : (Ausge-)Zeichnet! Mit "Drawn to Life: Mal-Held sein" wird der Traum jedes jungen Spielers Wirklichkeit: Nicht nur seinen Helden, sondern auch jede Menge Elemente der virtuellen Welt darf er selbst zeichnen und den eigenen Vorstellungen entsprechend gestalten. Die Art und Weise, wie das Spiel die eigenen Kreationen einbindet, ist einzigartig und hat es in dieser Form noch nicht gegeben. Leider sind die Rollenspielabschnitte der auf rund zehn Stunden ausgelegten Geschichte im Vergleich zum Rest eher langweilig. Nichtsdestotrotz ein großes Lob an die Entwickler für die tolle Umsetzung einer mutigen Idee. (11.10.2007)


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