War Chess

War Chess

(Kozmogames)

geschrieben von Aarni Kuoppamäki

 

Schach ist das Spiel der Könige. Könige spielten es und versuchten, die Königsfigur matt zu setzen. Schach ist auch der König der Spiele. So einfach zu verstehen und doch nie perfekt zu beherrschen. Und die Könige des Schachs, das sind heute die Computer. Denn nach Jahrhunderten der Evolution des Spieles haben des Menschen Maschinen ihn überholt. 1997 musste sich Weltmeister Garry Kasparov IBM-Schachcomputer "Deep Blue" geschlagen geben, der in drei Minuten bis zu einhundert Milliarden Stellungen berechnen kann. "Schach ist ein schwarz-weißer Dschungel", so Kasparov. In den soll nun War Chess ein bisschen Farbe bringen. Dafür mischt der kalifornische Entwickler Kozmogames das Königsspiel mit Fantasy-Elementen.

Schach bleibt Schach

Spielerisch bietet War Chess keine Überraschungen. Türme bewegen sich orthogonal, Läufer diagonal, und die Dame jagt den König. Springer hüpfen komisch übers Brett. Der Computergegner agiert geradlinig, tauscht gern Figuren und wartet auf Fehler des Gegners. Dabei berechnet die KI anscheinend Vor- und Nachteile nach Bauerneinheiten: In Duellen mit dem Schachprogramm Fritz erspielte sich War Chess figürliche Überzahlen, ließ sich aber vom cleveren und opferbereiten Gegner recht einfach Matt setzen. Menschliche Spaßspieler stellen die War Chess-KI stufenlos auf ein für sie passendes Niveau. Wer trotzdem einmal nicht weiter weiß, kann sich einen Zug vorschlagen lassen.

Das Programm überlegt nicht lange, also spielt sich War Chess angenehm flott. Aufgrund der verlässlich voraussehbaren Strategie merkt der Spieler aber immer, sich mit einer Maschine zu messen. Um es mit Schach-Großmeister Nigel Short zu sagen: "Wenn Schach ein enormer Dschungel ist - tief, unerforscht und unwillig, seine Myriaden Geheimnisse preiszugeben - dann sind Computer die Kettensägen einer gewaltigen ökologisch unsensiblen Nutzholzfirma." Schach-Kenner sind also vom Computergegner schnell gelangweilt. Mensch-Mensch-Duelle sind über Hotseat oder Netzwerk möglich.

Was War Chess von anderen Computer-Schachspielen unterscheidet, ist das Design der Spielbretter und Figuren. So stehen auf dem Schlachtfeld gute Zwerge, Pegasi oder Elfen bösen Skeletten und anderen Ungeheuern gegenüber. Die Guten sind "weiß" und haben den ersten Zug. Gekämpft wird in zehn Arenen, z.B. auf einem Friedhof, zwischen Eis und Lava oder in einem grün-grünen Dschungel. In alledem folgt das Setting keiner einheitlichen Fantasy-Mythologie. Stattdessen hat Kozmogames typische Genre-Klischees beliebig zusammengewürfelt.

Neu, nicht verbessert

Die auf die Brettmitte fixierte Ansicht lässt sich frei drehen, zoomen und neigen. So sind die teils etwas grob modellierten und texturierten Figuren und Landschaften ganz schön anzusehen. Ein bisschen Feuer und Rauch gibt’s auch. Der guten Spielbarkeit dient das alles jedoch nicht, denn die Modelle sind voneinander und dem Hintergrund oft schlecht zu unterscheiden. Für eine gute Übersicht schaut man besser auf das klassisch zweidimensionale Brett. Das steht nach Voreinstellung viel zu klein in der rechten oberen Bildecke, lässt sich aber vergrößern und verschieben. Die automatische Bewegung der Kamera ist sehr lästig, kann jedoch ausgeschaltet werden.

Bewegung und Attacken der Figuren sind recht konventionell animiert. So kämpft der Elf mit Pfeil und Bogen und die Dame schleudert Feuerbälle. Doch nach einem Mal Schlagen mit jeder der zwölf Figuren ist alles gesehen. Wenn der Turm dann von einem Brettende zum anderen stapft, muss der Spieler schon einen langen Moment warten. Klanglich ist War Chess wie ein Synthesizer-Chor auf Zoobesuch. Die immer gleiche Instant-Musik überrascht nur durch einen Bruch zwischen den Wiederholungen. Das Gewieher der Pegasus-Springer endet mit deren gewaltsamem Ableben.

Für kurze Zeit ist War Chess ein unterhaltsames Schachspiel. Falls die Regeln nicht bekannt sind, kann ein englischsprachiges Text-Tutorial in 16 Lektionen Abhilfe schaffen. In einem Computerspiel hätte man jedoch ein interaktives Lernprogramm erwarten können. Mit dem Schach-Adventure Majestic Chess zum Beispiel macht es mehr Spaß, das Königsspiel zu lernen. War Chess hebt immerhin alle Felder farbig hervor, auf die die gewählte Figur ziehen kann, und erleichtert so Schach-Neulingen den Einstieg. Neu ist die Idee hinter War Chess übrigens nicht. Bereits 1988 veröffentlichte Interplay Battle Chess, dem diverse Fortsetzungen, Kopien und Variationen gefolgt sind, z.B. Star Wars Chess 1993 oder das softpornografische Love Chess im Oktober 2004.

Entwickler/Publisher: Kozmogames
Genre: Schach
Releasedate: bereits erhältlich
Homepage: War Chess
Preis: 19,99 US-Dollar
Altersfreigabe: Freigegeben ab 12 Jahren gemäß §14 JuSchG

Kommentare zu diesem Artikel


Fazit

   Für den König der Spiele ist War Chess keine würdige Umsetzung. Schach wie auch Fantasy-Kämpfe gibt es woanders besser. Deshalb ist in ein echtes Schachset wohl besser investiert als in War Chess. Wer die Kombination von Schach und Fantasy trotzdem nicht missen möchte, kann sich zunächst die 17 MB große Demo von der Herstellerseite laden. Eine Registrierungsnummer macht diese zur Vollversion. Wer ein anspruchsvolles Schachprogramm sucht, greift lieber zu einer Budget-Version von Fritz. Doch einen Mehrwert gegenüber einem zwischenmenschlichen Duell kann selbst "Deep Blue" nicht bieten. Denn, wie Stephan Zweig sagte: "Schach ist wie Liebe - allein macht es weniger Spaß". (11.07.2005)


Kommentare:
Der Kommentar wurde gespeichert!
The Captcha element applies the Captcha validation, which uses reCaptcha's anti-bot service to reduce spam submissions.

War Chess
War Chess
War Chess
War Chess
War Chess
War Chess