Assassin's Creed

Assassin's Creed

(Ubisoft)

geschrieben von Tim-Oliver Siegwart

 

 
Entwickler: Ubisoft Montreal
Publisher: Ubisoft
Genre: Action-Adventure
Releasedate: Bereits erhältlich
Homepage: Assassin`s Creed
Preis: 56,95 €
Altersfreigabe: Freigegeben ab 16 Jahren gemäß §14 JuSchG

Endlich ist es soweit. Auch auf dem PC können die Hobby-Attentäter nun die Dächer in "Assassin's Creed" unsicher machen. Die grandiosen Trailer haben keine Zweifel daran aufkommen lassen, dass mit "Assassin's Creed" einer der Toptitel 2008 ansteht. Ubisoft Montreal hat viel Zeit in den Blockbuster investiert, damit die Konsolenumsetzung auch auf dem PC das hervorragende Spielerlebnis wiedergeben kann und die Massen gleichermaßen begeistert. DLH.net schwang sich für den besseren Überblick auf die höchsten Türme und kann Folgendes berichten:

Hochmut kommt vor dem Fall

Ubisoft Montreal hat sich für "Assassin's Creed" eine etwas ungewöhnliche Story ausgedacht. Die Geschichte, welche hauptsächlich von Altair, dem Assassinen, handelt, verfügt nämlich über eine Rahmenhandlung in ferner Zeit. Nach dem grandiosen Intro und einer kurzen Einführung erwacht Desmond Miles auf einem Labortisch in der Zukunft. Es handelt sich um einen direkten Nachfahren Altairs. Mithilfe einer fortschrittlichen Technologie, dem Animus, möchte man auf Altairs Erinnerungen in Desmonds DNA zurückgreifen. Nach einem kurzen, heftigen Streitgespräch mit dem verantwortlichen Wissenschaftler wird rasch klar, dass Desmond keine andere Wahl hat, als zu kooperieren, wenn er das Labor wieder lebend verlassen will. So taucht der Spieler von nun an in die Erinnerungen von Altair ein und erlebt den Fall des meisterhaften Assassinen hautnah mit.

Zur Zeit der Kreuzzüge im heiligen Land scheitert Altair an sich selbst. Von seinem Hochmut angetrieben, setzt er sich nämlich über alle drei goldenen Regeln der Bruderschaft hinweg: Man darf keine Unschuldigen töten, muss stets heimlich vorgehen, und darf die Gemeinschaft der Assassinen nie in Gefahr bringen. Daher verliert er seinen Rang und muss alle Waffen der Assassinen abgeben. Jedoch erhält er vom Meister persönlich die Chance, seinen Namen wieder reinzuwaschen, indem er die aufgetragenen Missionen gewissenhaft und unter striktem Einhalten der Regeln meistert. Leider kann Desmond nicht ununterbrochen den Animus verwenden, also müssen die Sitzungen in regelmäßigen Abständen unterbrochen werden, damit sich Geist und Körper erholen können.

Heute schon gemeuchelt?

In "Assassin's Creed" läuft das nun folgendermaßen ab: Die Rahmenhandlung, gespielt von Desmond Miles, gestaltet sich relativ einfach. In ihr gibt es keine Action. Der Spieler steuert seinen Helden lediglich von Labortisch zum Bett. Ab und zu darf er das Labor beziehungsweise das Notebook des Wissenschaftlers näher unter die Lupe nehmen. Die Möglichkeiten sind dabei sehr begrenzt. Durch den Wissenschaftler und seine Assistentin bekommt das Geschehen nach und nach mehr Fülle. Des Weiteren finden sich hier quasi die Einstiege ins Spiel. Leider hat man die Schwäche der Konsolenversion übernommen, dass das Abspeichern des Spielfortschrittes nicht jederzeit möglich ist, sondern das Spiel dies an vorgegebenen Punkten automatisch übernimmt. Nach dem Ende eines jeden Spieldurchgangs findet man sich daher im Labor wieder; zuvor begonnenen Missionen muss man erneut starten. Hier hätte Ubisoft etwas mehr Komfort für PC-Spieler einfließen lassen können.

Gerade im späteren Spielverlauf, wenn sich die Aufträge zeitlich sehr strecken, wäre das überaus hilfreich gewesen. Sobald sich Miles auf dem Labortisch legt, startet der Animus. Dort werden auch die Einstellungen in puncto Grafik, Steuerung und dergleichen vorgenommen. Der wichtigste Punkt ist die Fortsetzung einer Erinnerung. Da sich Desmonds Geist dagegen wehrt, die Informationen einfach preiszugeben, müssen die Erinnerungsabschnitte rekonstruiert werden, damit die nächste Schlüsselerinnerung frei wird. Sobald der Animus die Erinnerung abruft, schlüpft der Spieler völlig in die Rolle des Assassinen. Als Altair stehen ihm alle Fähigkeiten des Vorfahren zur Verfügung. Ein Balken oben links im Bild zeigt zum einen an, wie synchron das Geschehen mit der Erinnerung Altairs abläuft, zum anderen gibt er gleichzeitig einen Hinweis auf den Gesundheitsstand.

Verliert man die Synchronisation mit der Erinnerung, etwa wenn man die drei goldenen Regeln nicht befolgt, oder wenn man stirbt, ruft der Animus automatisch die letzte verfügbare Erinnerung zurück. Mit anderen Worten: Das letzte Autosave wird sofort geladen und man setzt die Mission fort.

Der Auftrag

In der Hochburg der Bruderschaft erhält man einen Auftrag vom Meister, anschließend begibt man sich in die entsprechende Stadt. Am Anfang geschieht das stilgerecht zu Pferd. Im späteren Verlauf gibt es die Möglichkeit, direkt zur Stadt zu springen und mit der Mission zu beginnen. Im Auftragsgebiet eingetroffen, sucht man den lokalen Vertreter der Bruderschaft auf. Er versorgt Altair mit einigen Hintergrundinformationen. Bevor man das Attentat ausführen darf, muss man ihm zudem einen fundierten Plan vorlegen, auf welche Weise man vorgehen möchte.

Dazu muss der Spieler Informationen über das Zielobjekt sammeln. Durch das Erklimmen der höchsten Gebäude verschafft man sich einen Überblick über die Stadt und erhält sekundäre Missionsziele. Je mehr man davon erledigt, desto genauer weiß Altair am Ende über seine Zielperson Bescheid, und die Erfolgschancen steigen. Daneben gibt es noch die Möglichkeit, Bürgern zu helfen, die von Soldaten ausgenommen werden oder Mitgliedern der Bruderschaft, die bei ihren eigenen Aufträgen Unterstützung benötigen. Im Gegenzug teilen sie alles mit, was sie über das Opfer wissen. Hilft man den Bürgern, stehen Partisanen dem Spieler beim Kampf gegen die Soldaten bei, oder Gelehrte verschaffen ihm Zugang zu allen Bereichen der Stadt. Mit dem gesammelten Wissen geht es zurück zum Versteck der Bruderschaft. Nachdem der Plan ausgebreitet und akzeptiert wurde, übergibt der Vertreter der Bruderschaft Altair eine Feder.

Nun schleicht man sich an das Opfer heran und führt den Auftrag aus. Im Sterben geben die Opfer noch manche Informationen preis, die sich im späteren Verlauf wie in einem großen Puzzle zusammenfügen. Zu guter Letzt wird noch die Feder im Blut des Opfers getränkt. Nun beginnt der hektische Teil des Berufs. Die ganze Stadt ist in Aufruhr, und alle Soldaten jagen den Attentäter, der nun seine Deckung aufgegeben hat. Nun heißt es rauf auf die Dächer und die Verfolger abschütteln, sonst ist das Versteck für Altair verschlossen. Hat man seine Aufgabe gemeistert, gibt es abschließende Worte vom Vertreter und es geht direkt zurück zum Meister. Dort angekommen wird die Geschichte weitererzählt; man erhält neue Fähigkeiten und Waffen sowie den nächsten Auftrag. Bevor man ihn angeht, kann man die zurückgewonnenen Fähigkeiten und den Umgang mit den Waffen trainieren.

Anschließend zieht der Attentäter wiederum aus, um den nächsten Opfern Tod und Verderben frei Haus zu liefern. Die Kämpfe mit Soldaten sind anfangs recht schwierig, aber je mehr Fähigkeiten Altair zurückgewinnt, desto einfach werden sie. Sobald man das Kontern beherrscht, sind auch ganze Regimenter für den Helden kein Thema mehr. Damit ist das Spiel zunehmend besser zu meistern; nur die fehlende Speicherfunktion lässt es immer wieder ganz unnötig langatmig erscheinen. Da sich alle Missionen im Grundprinzip in gleicher Weise spielen, beherrschen auch bisher unbescholtene Spieler sehr schnell das Attentatsgeschäft. Die einfache Steuerung verhindert zudem, dass bei den vielen Kletteraktionen unnötig Frust aufkommt.

Über den Dächern von Jerusalem

Das wohl größte Problem bei einer Konsolenumsetzung auf der PC-Plattform stellt die Steuerung dar. "Assassin's Creed" bietet eine Vielfalt von Aktionen, die ausgeführt werden können. In den ersten Spielminuten mag die Vorgehensweise noch als etwas gewöhnungsbedürftig erscheinen, aber es wird sehr bald klar, dass sich Ubisoft Montreal viele Gedanken bezüglich der Steuerung gemacht und viel Wert auf ein einfaches und verständliches System gelegt hat. Im Grunde kommt der Spieler mit weniger Tasten aus, als es für einen durchschnittlichen 3D-Shooter notwendig wäre. Der Avatar Altair wird aus der Sicht einer dritten Person mit der bekannten und gängigen "WASD"-Steuerung in die vier Himmelsrichtungen dirigiert, sprich vorwärts, rückwärts, links und rechts.

Zusätzlich kann man mit der Maus die genaue Richtung einschlagen und Altair schnell drehen. Wer die Videos und Screenshots zu "Assassin's Creed" gesehen hat, fragt sich sicherlich, wie kompliziert die Sprünge von Dach zu Dach, das Erklimmen von Häuserfassaden, Türmen und dergleichen sind. Die Antwort ist: gar nicht. An einer Hauswand angekommen, stellt der Spieler mit geübtem Blick Altair unter einen Vorsprung, hält die Leertaste gedrückt und tippt die "W"-Taste an. Schon erklimmt die Spielfigur das Gebäude bis zum nächsten Vorsprung. Auf diese Weise würde man sogar den Turm zu Babel ohne Probleme in Windeseile meistern. Der Sprung von Haus zu Haus gestaltet sich ebenso einfach.

Sprungkombinationen aus der Hanglage an einer Fassade zur gegenüberliegenden führt man nach einigen Versuchen ohne weitere Probleme gekonnt aus, sodass "über den Dächern von Jerusalem" wie ein Film abläuft, in dem der Spieler lediglich die grobe Richtung vorgibt und Altair den Rest übernimmt. Zwar mag das sehr anfängerfreundlich sein, allerdings raubt es dem Spiel auch etwas an Präzisionsbedarf und Anspruch. Bei den Kämpfen sind die beiden Maustasten mit "offensiv" und "defensiv" belegt. Je erfahrener Altair im Spielverlauf wird, desto mehr Möglichkeiten besitzt er, sich zur Wehr zu setzen. Die erforderlichen Kombos müssen gut geübt werden, da sie ein gutes Timing erfordern. "Assassin's Creed" gibt dem ungeübten Spieler erfreulicherweise viele Möglichkeiten, sie im Kampftraining zu verinnerlichen.

Zum Interagieren mit anderen Personen, sei es nun mit jemandem zu reden, jemanden zu bestehlen oder sonstiges, wird lediglich die F-Taste gedrückt, bis das gewünschte Ziel ausgewählt ist. Da man sich dabei stets nur relevanten Personen zuwenden kann, entsteht keine wilde Durchschalterei. Im Ganzen spielt sich Ubisofts neuestes Kind also sehr einfach und lässt dank der vorhandenen Tutorials selbst Einsteiger nicht in der Wüste stehen. Sind die Grundfunktionen erst einmal verinnerlicht, spielt es sich zudem sehr intuitiv, das heißt, der Spieler ahnt schon im Voraus, welche Aktion er vermutlich durchführen muss, damit er am schnellsten zum Ziel kommt. Behagt die Steuerung auch nach der Einführungsphase nicht, steht es dem Spieler frei, die Tasten nach eigenen Vorstellungen neu zu belegen.

Marktschreier

Ohne Zweifel trägt die hervorragende musikalische Umsetzung sehr viel zu der gelungenen Atmosphäre bei. In den Städten herrscht reges Leben, das man nicht nur sieht, sondern auch hört. Die Einwohner interagieren quasi mit dem Spieler. Erschreckt man sie oder rempelt sie unhöflich an, reagieren sie verbal auf derartige Vorkommnisse. Hin und wieder hält ein Bettler den Spieler auf und bittet ihn um eine milde Gabe. Soldaten warnen davor, sie zu provozieren oder schicken den Spielen weiter, da es ihrer Meinung nach nichts zu sehen gibt, während sie einen wehrlosen Bürger bedrohen. Dieser Bürger erbittet auch lautstark um Hilfe und bedankt sich anschließend artig mit einigen Lobeshymnen auf unseren Helden. Auf den zentralen Plätzen einer jeden Stadt findet sich ein Marktschreier, der den jeweiligen Feind - nämlich Saladin in christlichen und Richard Löwenherz in sarazenischen Orten - verbal an den Pranger stellt und verhöhnt.

Kämpfe sind auch in akustischer Hinsicht sehr schön umgesetzt und runden das Bild positiv ab. Prescht Altair durch die Menge, lassen Träger ihre Krüge fallen und verraten somit den Wachen, wo sich der Attentäter gerade befindet. Wagt der Spieler einen Todessprung, ertönt der Schrei des Adlers, was der Szene eine sehr stimmungsvolle Atmosphäre verleiht. Die Synchronisation an sich ist zwar in den Zwischensequenzen oder beim Interagieren mit anderen Personen manchmal etwas holprig geraten, wirkt aber dennoch glaubwürdig und passt stets zum Geschehen. Musikalisch wird "Assassin's Creed" nicht mit einem ebenso protzigen Soundtrack untermalt, wie man es von einigen Konsolenumsetzungen kennt, die Klänge halten sich wie etwa bei einem Kinofilm dezent im Hintergrund.

Mittelalterliches Sightseeing

Bereits das grandiose Intro (es handelt sich nicht um ein aufwendiges Rendervideo, sondern tatsächlich um die Spiel-Grafik) lässt keine Zweifel an der grafischen Qualität aufkommen. Die Welt in "Assassin's Creed" wird unglaublich lebendig dargestellt. Die mittelalterlichen Städte sind voller Leben und mit unglaublich viel Liebe zum Detail gestaltet. Der Spieler kann dadurch problemlos in die Rolle des Avatars eintauchen. Die Aussicht auf Türmen und Dächern ist ein Hinweis auf die viele Arbeit, die in dem Spiel steckt. Die Gegner sind allesamt sehr realistisch animiert und ebenso wie Altair selbst wunderschön detailreich umgesetzt. Deshalb könnten die Kampfszenen durchaus auch aus einem Video stammen. Hier ist den Entwicklern eine hervorragende Kombination aus geskripteten Abläufen und eigener Entscheidungsfreiheit gelungen.

Besondere Erwähnung verdienen auch solche nicht selbstverständlichen grafischen Leckerbissen wie aufgewirbelter Staub beim Laufen, das Flattern der Textilien im Wind und die sehr realistisch umgesetzten Schatten- und Lichtdarstellungen. "Assassin's Creed" ist hier auf absolutem Topniveau unterwegs und rechtfertigt die vielen Vorschusslorbeeren. Die hin und wieder mit Absicht eingeblendeten Darstellungsfehler des Animus verflechten sehr gekonnt die Rahmenhandlung mit dem Spielgeschehen. Ubisoft Montreal präsentiert dem Käufer ein ausgereiftes Produkt, das in seinem Genre derzeit keine Konkurrenz fürchten muss. Das heilige Land und die historischen Städte, allen voran Jerusalem und Damaskus, werden hier wieder zum Leben erweckt.

Mit "Assassin's Creed" ist einmal wieder ein richtiges Highlight auf dem PC erschienen. Die größte Stärke des Krachers von Ubisoft besteht darin, dass man ganz neue Wege gegangen ist und ein Spiel geschaffen hat, dass die Vorzüge vieler anderer in sich vereint. Kurz gesagt, es sticht deutlich aus dem großen und allzu oft einfallslosen Einheitsbrei der Spieleindustrie heraus. Die spannende Story kann bis zum Schluss begeistern und hält zudem einige Überraschungen parat. Die Steuerung ist sehr einfach gestaltet, was den Spieler ohne Probleme in die wunderschön programmierte Welt eintauchen lässt. Bisweilen läuft "Assassin's Creed" wie ein Kinofilm vor den Augen des Spielers ab und gibt ihm das Gefühl, der Regisseur zu sein. Ubisoft Montreal hat hier erstklassige Arbeit geleistet und liefert hoffentlich bald Nachschub.

(06.05.2008)

Minimale

Betriebssystem: Windows XP / Windows Vista

Prozessor: Dual-Core Prozessor 2.6 GHz Intel Pentium D oder AMD Athlon 64 X2 3800+

Arbeitsspeicher: 1GB RAM bei Windows XP/ 2GB bei Windows Vista

Grafikkarte: 256 MB DirectX 10.0- oder 9.0-kompatible Karte mit Shader Model 3.0 oder höher

Soundkarte: DirectX 9.0- oder 10.0-kompatible Karte

DirectX Version: DirectX 9.0 oder 10.0 (enthalten auf DVD)

DVD-ROM: DVD-ROM Dual-Layer-Laufwerk

Festplattenspeicher: 8 GB

Unterstützte Grafikkarten: ATI RADEON X1600/1650-1950/HD-2000-/3000-Serie - NVIDIA GeForce 6800/7/8/9-Serie

Laptop-Versionen von diesen Grafikkarten können funktionieren, werden aber nicht unterstützt. Diese Chipsets sind die einzigen mit denen das Spiel funktioniert.

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